Selbstbehauptung

Ein klares Nein kann sehr befreiend sein.

 

Der Psychologe Manuel J. Smith forschte in den 1970er Jahren über die Fähigkeit zur Selbstbehauptung und gewann folgende Erkenntnis:

"Wir besitzen die Fähigkeit uns zu widersetzen von Geburt an und verlernen sie jedoch wieder".

 

Er macht das an folgendem Beispiel fest, sobald ein neugeborenes Kind den Geburtskanal verlässt, macht es seinen Unmut über die Strapazen der Geburt und den Verlust von Wärme und Geborgenheit, durch lautes Schreien kund.

Auch während des Heranwachsens wird oftmals lauthals Mißmut zum Ausdruck gebracht. Und später, bei der Sprachentwicklung wird kein Wort so gerne gebraucht wie das selbstsichere Nein.

Im Laufe unserer frühkindlichen Entwicklung verlieren wir dann diese Protestkompetenz, wie kommt das?

Smith glaubt, dass unsere Eltern sie uns im Laufe der Erziehung abtrainiert haben.

Nicht weil sie das bewußt so wollten, sondern damit wir gesellschaftskonform und handlicher im Umgang werden.

Dazu gaben sie einfach weiter, wie sie selbst erzogen wurden.

In den meisten Fällen haben Eltern dann aber nicht ihre Forderungen selbstbewußt vorgebracht: "Ich wünsche, dass Du Dir die Hände wäscht"!

Sondern sie versteckten sich hinter allgemeingültigen Gesetzen und diffusen Autoritäten. Z. B. durch Erklärungsversuche wie: "Alle guten Kinder waschen ihre Hände und alle bösen Kinder vergessen sie zu waschen und hören nicht auf ihre Eltern".

Der Grund für dieses Verhalten ist, das Entziehen aus der Verantwortung.

Das Kind soll scheinbar gar nicht tun was die Eltern wollen, sondern was man im allgemeinen für richtig hält.

Dmit wird sugeriert, diese Regeln kämen von einer höheren Autorität oder Macht und alle Menschen halten sich daran, bzw. machen sich bei nicht befolgen schuldig.

Das Kind wird manipuliert.

 

Die Eltern erleichtert dieses Vorgehen zweifach.

1. sind ihre Wünsche durch eine höhere Warte legitimiert.

2. die unbekannte Autorität trägt die Schuld für das Mißbehagen des Kindes, wenn es etwas tun muß was es nicht will.

 

Im Laufe der Zeit lernen wir dann Schuldgefühle zu entwickeln wenn wir gegen Vorschriften verstoßen.

Da immer wieder neue Regeln hinzukommen werden wir zunehmend unsicherer.

 

Für uns Menschen, die heute ca. 40 Jahre alt sind und so aufwuchsen ergibt sich folgendes Problem.

Wir geraten ins Grübeln wenn andere uns mit ihren Wünschen konfrontieren: "Kann ich mit meiner Freundin ausgehen obwohl sich mein Mann zuhause langweilt"? oder

"Meine Eltern erwarten, dass ich sie mit den Kindern besuche wie jedes Wochenende, kann ich dieses Mal absagen"?

So fühlen wir uns vor die Wahl gestellt als Egoist oder gutmütiger Trottel angesehen zu werden und die meisten entscheiden sich für letzteres.

 

Wie kann man sich gegen derlei Manipulationen wappnen?

Smith entwickelte ein Training, es basiert auf dem Grundrecht zur Selbstsicherheit.

Jeder Mensch hat das Recht, das eigene Verhalten, seine Gedanken und Gefühle selbst zu beurteilen und Verantwortung für deren Entstehen zu übernehmen, wird also sein eigener Richter.

Das bedeutet, wenn wir dieses Grundrecht ernst nehmen werden herkömmliche Ansichten über richtig und falsch ausser Kraft gesetzt.

Dabei haben wir auch das Recht Fehler zu machen, unlogische Entscheidungen zu treffen und unsere Meinung zu revidieren.

Ob wir dann eine Bitte gern oder schweren Herzens erfüllen, sie als zuviel verlangt oder als grobe Zumutung werten und sie zurückweisen, dürfen wir dann selbst bestimmen.

Das Leben in dieser Selbst-Sicherheit befreit uns von Schuldgefühlen.

Es heißt aber auch, dass wir die volle Verantwortung für unser Handeln übernehmen und die Konsequenzen tragen.

Eine gelungene Selbstbehauptung bringt somit Vorteile.

Die Befreiung von Schuldgefühlen und damit mehr Gelassenheit.

Sie führt dazu, dass wir eigene Wünsche auch als solche formulieren und nicht durch Manipulationsversuche ausdrücken, damit der verliert, der die größeren Gewissensbisse hat. Damit werden wir für unsere Mitmenschen präsenter.

 

Marion Decker

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